Ausbeutung auf Kehrichtverbrennungsanlage: Polnische Bauarbeiter haben 75-Stunden-Wochen

Morgens um kurz nach sechs Uhr müssen sie bereitstehen für den Shuttlebus, der sie aus der schmucklosen Arbeiterbaracke in Wehr (D) in die Kehricht-verbrennungsanlage (KVA) an der Hagenaustrasse in Basel bringt. Nach einer Stunde Busfahrt warten Zehnstundenschichten, in denen es höchstens kleine Pausen gibt. Wer Pech hat, der muss in der Nachtschicht ran. Dann heisst es: Durcharbeiten, mit Schutzmaske, bis man morgens völlig erschöpft wieder abgeholt und in der Herberge abgeladen wird.

Mehrere mündliche Quellen sowie Dokumente fördern zutage, wie die Arbeitskräfte ausgebeutet werden – und wie das schweizerische Arbeitsrecht ausgehebelt wird. Seit Anfang September werden in der KVA Montagearbeiten im Rahmen der jährlichen Revision durchgeführt.

– schreibt die bzbasel.ch am 1.10.2020

Die Ems-Chemie
kennt in der Krise keine Gnade

Die Eftec ist Teil der von SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher geführten Ems-Chemie Holding. Der Zulieferer für die Automobilbranche macht jedes Jahr satte Reingewinne; 2019 seien es 12 Millionen Franken gewesen, wie intern kommuniziert wurde. Die gesamte Ems-Gruppe wiederum wies letztes Jahr mit 532 Millionen Franken den grössten Reingewinn ihrer Geschichte auf. Das bedeutet Millionenausschüttungen für Magdalena Martullo-Blocher und ihre beiden Schwestern, die zusammen sechzig Prozent der Ems-Aktien besitzen. Martin Baumann arbeitete 22 Jahre als Laborant bei der Eftec. Er war in der Qualitätskontrolle tätig, prüfte die in der Firma produzierten Klebstoffe, Abdichtungsmaterialien und Beschichtungen, Elastomere etwa, deren Herstellung «eine extrem dreckige Arbeit» sei. Traditionell übten diese schlecht bezahlte Migranten aus, sagt Baumann. «Sie sind Staub, Russ und Kalk ausgesetzt.»

schreibt Sarah Schmalz in der woz.ch vom 9.4.2020